Quandoo schließt auch in Italien: die drei Fristen, der Datenexport und die Wahl des Nachfolgers
2026-08-09 · Ratgeber
Quandoo stellt den Betrieb ein – betroffen ist auch der italienische Markt. Die Abwicklung folgt einem festen Fahrplan: Reservierungen sind nur noch bis 30. September 2026 möglich, das Fenster für den Datenexport schließt am 30. November 2026, und am 31. Dezember 2026 wird die gesamte Infrastruktur abgeschaltet. Für ein Restaurant ergeben sich daraus zwei getrennte Aufgaben, und zwar genau in dieser Reihenfolge: die Gästedatenbank sichern, solange es sie noch gibt – und einen Nachfolger wählen, praktisch also eine Restaurant-Software, die die Reservierungen anstelle der Plattform übernimmt. Dieser Beitrag liefert die drei Fristen, die Exportanleitung und die Kriterien, auf die es bei der Auswahl ankommt.
## Die drei Fristen im Überblick
Kurz gesagt: Ab dem 1. Oktober 2026 kommt über Quandoo keine Reservierung mehr an, und ab dem 1. Dezember 2026 lässt sich nichts mehr retten. Die zwei Monate dazwischen sind Puffer für den Export, nicht für den laufenden Betrieb.
| Datum | Was passiert | Was vorher erledigt sein muss | | --- | --- | --- | | 30. September 2026 | Letzter Tag, an dem Gäste über Quandoo reservieren können | Neues System live, Buchungslink überall ersetzt | | 30. November 2026 | Das Fenster für den Export von Reservierungsverlauf und Gästedaten schließt | Vollständigen Export herunterladen und Zeile für Zeile prüfen | | 31. Dezember 2026 | Die Infrastruktur wird abgeschaltet: Website, App und Konto existieren nicht mehr | Nichts – nach diesem Datum gibt es nichts mehr zu retten |
Die drei Fristen wiegen unterschiedlich schwer. Der 30. September 2026 ist eine betriebliche Frist: Läuft das neue System bis dahin nicht, ist das Restaurant ab dem 1. Oktober über diesen Kanal schlicht nicht mehr buchbar, und das Quandoo-Widget auf der Website führt ins Leere. Der 30. November 2026 ist dagegen endgültig – danach lässt sich eine über Jahre aufgebaute Gästedatenbank nicht mehr herunterladen. Der 31. Dezember 2026 ist keine Frist, die man einhalten könnte; er ist das Ende jeder Möglichkeit.
## Was genau geht verloren, wenn nicht exportiert wird?
Kurze Antwort: die komplette Gästehistorie. Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Besuchszahlen, Notizen und Vorlieben (Allergien, Lieblingstisch, Stammgäste) und – dieses Detail wird meist zu spät entdeckt – die Liste aller künftigen Reservierungen. Bereits angenommene Buchungen mit Termin nach dem 30. September 2026 betreffen Ihren Betrieb weiterhin: Der Gast steht ohnehin vor der Tür. Wird diese Liste nicht gesichert und übertragen, kommt im Oktober eine Zehnergruppe, die niemand im Team im Buch hat.
Eine ehrliche Einschränkung zu Bewertungen: Rechnen Sie damit, dass sie verloren sind. Auf einem Marktplatz gesammelte Bewertungen werden von der Plattform veröffentlicht, die dafür Verantwortliche bleibt; einen öffentlich dokumentierten Weg, sie zu einem anderen Anbieter mitzunehmen, gibt es nicht. Sichern Sie zumindest einen Screenshot Ihrer Durchschnittsbewertung – und planen Sie ein, die Online-Reputation dort neu aufzubauen, wo Gäste tatsächlich nachsehen: bei Google.
## Gästedaten aus Quandoo exportieren: die Vorgehensweise
Kurze Antwort: Erledigen Sie das jetzt, nicht im November. Je näher der 30. November 2026 rückt, desto längere Antwortzeiten sind von einem Support realistisch zu erwarten, der selbst abgewickelt wird. Sechs Schritte der Reihe nach.
- 1. Zugang sofort prüfen. Melden Sie sich in dem Partnerkonto an, über das Sie Reservierungen verwalten, und prüfen Sie, ob die Zugangsdaten funktionieren. Laufen sie auf eine Person, die nicht mehr im Betrieb ist, setzen Sie das Passwort heute zurück, nicht im November.
- 2. Inventur machen. Vier Positionen, nicht drei: Gästekontakte (Vor- und Nachname, E-Mail, Telefon), der vollständige Reservierungsverlauf, Notizen und Sonderwünsche sowie alle zukünftigen Reservierungen, auch die mit Termin nach dem 30. September 2026.
- 3. Die offizielle Anleitung im Partnerbereich suchen. Eine öffentliche Dokumentation der genauen Klickwege oder des Dateiformats existiert nicht: Maßgeblich ist, was Sie in Ihrem eigenen Konto vorfinden. Wenn etwas unklar bleibt, fragen Sie beim Support nach, statt zu raten.
- 4. Vollständigen Export beim Support anfordern. Nutzen Sie die im Konto hinterlegten Kontaktwege, zählen Sie alle vier Positionen aus Schritt 2 ausdrücklich auf und nennen Sie schriftlich ein Datum, bis wann Sie die Datei brauchen.
- 5. Die Datei prüfen, nicht nur ablegen. Öffnen Sie sie, zählen Sie die Zeilen, kontrollieren Sie stichprobenartig, ob E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Notizen tatsächlich enthalten sind. Ein unvollständiger Export, der im Dezember auffällt, ist kein Export mehr – nach dem 30. November 2026 gibt es niemanden mehr zu fragen.
- 6. Bewahren Sie eine datierte Kopie der Originaldatei auf, vor jeder Bearbeitung – als Nachweis einer geordneten Datenübergabe.
Bleibt der Export unvollständig oder schweigt der Support, gibt es einen konkreten rechtlichen Hebel. Für die Gästedaten Ihres Restaurants sind Sie der Verantwortliche, die Plattform ist lediglich Auftragsverarbeiter. Nach Art. 28 Abs. 3 lit. g DSGVO (Verordnung (EU) 2016/679) muss der Auftragsverarbeiter nach Abschluss der Erbringung der Verarbeitungsleistungen alle personenbezogenen Daten nach Wahl des Verantwortlichen löschen oder zurückgeben. Stellen Sie die Forderung schriftlich und mit Fristsetzung.
Diesen Satz können Sie direkt übernehmen: „Als datenschutzrechtlich Verantwortlicher fordern wir Sie gemäß Art. 28 Abs. 3 lit. g DSGVO und unserem Auftragsverarbeitungsvertrag auf, uns bis zum [Datum] eine vollständige Kopie sämtlicher für unser Restaurant verarbeiteter personenbezogener Daten zu übermitteln – einschließlich Gästedatenbank, Reservierungsverlauf, Gästenotizen und aller zukünftigen Reservierungen.“ Wichtig ist die Grenze dieses Anspruchs: Er umfasst nur die in Ihrem Auftrag verarbeiteten Daten. Für auf dem Marktplatz veröffentlichte Bewertungen ist die Plattform selbst Verantwortliche – deshalb ist eine Weigerung an dieser Stelle rechtlich gedeckt. Die vollständige Vorgehensweise samt Muster-E-Mail steht in unserer ausführlichen Anleitung zum Quandoo-Datenexport.
## Worauf es beim Nachfolgesystem ankommt
Vier Kriterien, sortiert nach Wichtigkeit für alle, die jetzt wechseln.
- 1. Die Gästedaten müssen Ihnen gehören und jederzeit exportierbar sein. Genau das ist die Lehre aus dieser Schließung. Prüfen Sie vor Vertragsabschluss, ob es einen Export-Button für die Gästedatenbank gibt – und drücken Sie ihn in der Testphase einmal. Fehlt der Export oder muss er jedes Mal beim Support angefragt werden, stellt sich dasselbe Problem in ein paar Jahren erneut.
- 2. Provision pro Gedeck oder fester Monatspreis. Portale werden üblicherweise per Provision auf jeden gebuchten Gast bezahlt, Reservierungssoftware per festem Monatsabo. Rechnen Sie mit Ihren echten Zahlen: Bei 300 online reservierten Gedecken im Monat ergeben angenommene 2 € pro Gedeck 600 € im Monat, also 7.200 € im Jahr – und der Betrag wächst genau in den Monaten, in denen der Betrieb am besten läuft. Die tatsächlichen Sätze unterscheiden sich je Anbieter; lassen Sie sie sich schriftlich bestätigen.
- 3. Eine eigene Buchungsseite. Sie brauchen einen Buchungslink für Website, Google-Unternehmensprofil und Instagram sowie ein Widget zum Einbetten in die bestehende Website. Laufen Reservierungen ausschließlich über das Profil des Anbieters, bauen Sie dieselbe Abhängigkeit wieder auf, aus der Sie gerade aussteigen.
- 4. Google-Anbindung. Die Online-Tischreservierung beginnt heute fast immer mit einer Google-Suche oder mit Maps. Ein System mit Anbindung an Reservieren mit Google zeigt den Buchungsbutton direkt im Profil des Betriebs – ohne Zwischenschritt und ohne Vermittlungsprovision.
## Portal oder eigenes System?
Kurze Antwort: Das sind zwei Produkte für zwei verschiedene Probleme – und die Quandoo-Schließung betrifft die erste Sorte. Ein Portal liefert Nachfrage und rechnet sie pro Nutzung ab; eine Software liefert die Werkzeuge zum Festpreis.
| | Buchungsportal (Marktplatz) | Reservierungssoftware | | --- | --- | --- | | Preismodell | Provision pro Gast bzw. pro Gedeck | Fester Monatspreis | | Gästedatenbank | Mit der Plattform geteilt | Gehört dem Restaurant, jederzeit exportierbar | | Buchungskanal | Profil auf dem Portal | Eigene Seite und eigener Link, Widget, Reservieren mit Google | | Reservierungsbuch | Enthalten, aber innerhalb der Plattform | Enthalten, unabhängig vom Anbieter | | Wenn der Anbieter schließt | Kanal und Daten sind weg | Daten exportieren und Werkzeug wechseln |
Das ist keine Glaubensfrage. Bringt ein Portal tatsächlich neue Gäste, die Sie sonst nie gefunden hätten, rechtfertigt sich die Provision. Kommt der Großteil der Reservierungen dagegen von Leuten, die Sie längst kennen – Name gesucht, Google-Profil geöffnet, reserviert –, zahlen Sie Provision auf Ihre eigenen Gäste.
## Was eine Restaurant-Software konkret leisten muss
Die Basis für 2026: ein Reservierungsbuch, das sich im Service am Telefon lesen lässt, ein Tischplan, automatische Bestätigungs- und Erinnerungs-E-Mails an Gäste (einer der wirksamsten Hebel gegen No-Shows), eine exportierbare Gästedatenbank und ein öffentlicher Buchungskanal. Alles andere – digitale Speisekarte mit QR-Code, Bewertungsanfragen, Kassenanbindung – ist nützlich, kommt aber danach.
## Stolio: was es kann, was es kostet und was es nicht kann
Offenlegung: Stolio ist unser eigenes Produkt, deshalb ohne Verkaufsprosa. Die Einschränkungen stehen ebenfalls unten, damit niemand Zeit verliert.
Stolio ist ein Reservierungssystem für Restaurants, kein Portal: Es bringt keine neuen Gäste, es verwaltet die, die ohnehin nach Ihnen suchen. Bezahlt wird ein fester Monatspreis, ohne jede Provision pro Gedeck oder pro Gast. Standard (19,90 € pro Monat) enthält das Online-Reservierungssystem, einen visuellen Tischplan, eine jederzeit exportierbare Gästedatenbank, automatische Bestätigungs- und Erinnerungs-E-Mails an Gäste, eine eigene Website-Seite für den Betrieb, einen öffentlichen Buchungslink, ein einbettbares Buchungs-Widget, eine direkt aus dem Browser installierbare Mitarbeiter-App fürs Handy sowie Reservieren mit Google. Plus (31,90 € pro Monat) ergänzt die digitale Speisekarte mit QR-Code, Empfehlungen auf der Restaurantseite, automatische Google-Bewertungsanfragen nach dem Besuch, Mittagskarten, Allergene und Kategorien, druckfertige QR-Vorlagen und Push-Benachrichtigungen bei jeder neuen Reservierung. Pro+API (61,90 € pro Monat) ergänzt die Syrve-Kassenintegration mit Zwei-Wege-Synchronisation der Reservierungen sowie den API-Zugang. Seit August 2026 kann ein Konto bis zu 5 Restaurants verwalten – jedes mit eigenem Abo, eigenem Team und eigener Testphase. Die Details stehen auf der Preisseite.
Die Einschränkungen, klar benannt. Die Oberfläche des Systems gibt es nur auf Tschechisch und Englisch – eine italienische Version existiert nicht. Auch die Buchungsstrecke, die der Gast sieht, und die automatischen E-Mails an Gäste sind auf Englisch oder Tschechisch, nicht auf Italienisch. Die Abrechnung erfolgt in tschechischen Kronen (CZK), auch wenn Preise in Euro ausgewiesen werden. Der Support antwortet auf Englisch oder Tschechisch, auf deutschsprachige Anfragen auf Deutsch: einen italienischsprachigen Support gibt es nicht. Wenn eine italienische Oberfläche für den Betrieb Bedingung ist, sind das gute Gründe, einen anderen Anbieter zu wählen – und wir sagen das lieber vorher als nach dem Umzug.
Wer ohnehin auf Englisch arbeitet und vor allem ohne Datenverlust aus Quandoo herauskommen will, für den ist der Weg gangbar: Die Testphase dauert 14 Tage ohne Kreditkarte, und beim Umzug samt Einrichtung helfen wir kostenlos. Schreiben Sie an info@stolio.cz und hängen Sie die aus Quandoo exportierte Datei an.
## Der Ablaufplan
- Diese Woche: Zugang zum Quandoo-Konto prüfen und den vollständigen Export aller vier Positionen anfordern.
- Bis Mitte September 2026: Neues System auswählen und parallel starten, damit Tische, Öffnungszeiten und Kapazitäten in Ruhe angelegt werden können.
- Bis 30. September 2026: Buchungslink überall ersetzen – Website, Google-Profil, Instagram, Facebook, E-Mail-Signatur – und das Quandoo-Widget entfernen.
- Bis 30. November 2026: Prüfen, ob der Export vollständig ist, und die datierte Originalkopie archivieren. Nach diesem Datum gibt es kein Zurück.
Die Schließung ist ärgerlich, aber sie ist auch der Anlass, die Gästedatenbank nicht länger in einer Plattform zu halten, über die man keine Kontrolle hat. Welchen Anbieter Sie auch wählen: Die einzige wirklich wichtige Frage lautet, ob Sie Ihre Daten in zehn Minuten herausbekommen, falls auch dieser Anbieter morgen schließt. Stolio lässt sich 14 Tage kostenlos testen – ohne Kreditkarte.